Mittwoch, 24. Oktober 2012
Neu auf DVD:
Shameless (US Version)
Frank Gallagher (William H. Macy) liebt Alkohol, Drogen, Sozialhilfe und seine sechs Kinder - in dieser Reihenfolge. Die Mutter der Grossfamilie glänzt mit ständiger Abwesenheit, und die 18-jährige Tochter Fiona (Emmy Rossum) versucht ihre jüngeren Geschwister auf dem rechten Weg zu halten. Im Grunde ist Frank Gallagher voller irischer Liebe und Stolz für seine Großfamilie, aber das war es auch. Zumeist befindet sich der Alkoholiker irgendwo am Rande der Bewustlosigkeit in seiner Kotze liegend, aber seine Kinder haben da einen gewissen Pragmatismus entwickelt und erziehen sich im Grunde selbst. Die älteren Kinder sind zwar alle heiß, aber jeder von ihnen auf seine eigene Art gestört. Fiona wird von Steve (Justin Chatwin) verfolgt, ein reicher Spieker mit einem auffälligen Auto und einer lockeren Kreditkarte. Lip (Jeremy Allen White) gibt seiner Nachbarin Karen (Laura Slade Wiggins) Nachhilfeunterricht, die in Form von Sachleistungen bezahlt. Und Ian (Cameron Monaghan) hat mit Homosexualität zu kämpfen. Inzwischen sind Stromrechnungen fällig, es ist nie Geld da und jemand muss sich auch um das Baby Liam kümmern. Doch auch wenn die verrückte, dysfunktionale Familie Gallagher eine Menge Probleme hat, mit ihrer gegenseitigen Unterstützung und Liebe stehen sie alles durch.



Schon öfter hat das US-Fernsehen ein erfolgreiches britisches Konzept adaptiert und neu verfilmt - wenn man an "The Offce" und "Queer als Folk" denkt auch mit grösserem Erfolg als das Original. Die UK-Serie "Shameless" (dort inzwischen im 10ten Jahr erfolgreich) ist jedoch ein sehr harter Brocken, weil die Familien-Saga aus der Unterschicht auch jede Grenzen von Scham, Vulgärtheit und auch offener Sexualisierung überschreitet, und das mit einem urbritischen Humorverständnis garniert, das man nicht einfach übertragen kann. Dass die Amerikanisierung nicht zur moralin-süssen Familien-Comedy verkommt, verdankt man zum einen der Produktion fürs Bezahl-TV, zum anderen aber auch der Mitwirkung des Original-Produzenten Paul Abbott, der dafür sorgt, dass sein Stoff nichts von seinem Biss verliert. So sind zahlreiche Storylines aber auch einige Szenen direkt 1:1 aus der Vorlage abkopiert, ein wenig auf amerikanische Verhältnisse umgemünzt, aber nur selten in seinem Humorverständnis abgemildert. Die US-Variante kommt den Briten dabei ziemlich nahe, was auch an seiner schamlosen Besetzung liegt. Der bisweilen arg unterschätzte William H. Macy ("The Cooler") kann als verqueres Oberhaupt richtig Gas geben, und auch Darsteller wie Joan Cusack ("Shopaholic") und Justin Chatwin ("Dragonball Evolution") beweisen, dass sie mehr können als nur Stafette in Hollywood zu sein (den jungen Cameron "Ian" Monaghan kennt man hierzulande übrigens als Bob Andrews aus den "Drei Fragezeichen"-Filmen). Spass mach die ordinäre Mischung aus Familiendrama und britischer Komödie auf jeden Fall, und Erfolg hat sie auch - so wurde in Amerika von dem Bezahl-Sender "Showtime" bereits vorzeitig die dritte Staffel geordert.
Bewertung: 8,5/10 (Moviepilot Prognose 7)





Das britische Original kann man übrigens auf YouTube sehen:

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